20 Minuten sind schnell vorbei.
Ein kurzes Gespräch, ein Blick auf die aktuellen Beschwerden, ein paar gezielte Handgriffe und vielleicht noch einige Übungen für zu Hause.
Krankengymnastik auf Rezept kann sinnvoll und wichtig sein. Aber nach 20 Jahren in der therapeutischen Praxis bin ich zu einer Erfahrung gekommen:
Bei vielen Beschwerden ist Muskelaufbau nicht der erste Schritt.
Wenn Schmerzen vorhanden sind, Faszien unter Spannung stehen, Triggerpunkte die Muskulatur belasten oder Strukturen überlastet sind, sollte aus meiner Sicht zunächst an diesen Problemen gearbeitet werden.
Und wenn zusätzlich Blockaden und eine veränderte Statik eine Rolle spielen, kann es sinnvoll sein, diese gesondert zu betrachten.
„Du musst deine Muskeln stärken“
Diesen Satz hören viele Patienten mit Rücken-, Schulter- oder Kniebeschwerden.
Und grundsätzlich ist daran nichts falsch. Eine kräftige und belastbare Muskulatur ist wichtig.
Die entscheidende Frage lautet für mich jedoch:
Ist jetzt bereits der richtige Zeitpunkt dafür?
Wenn eine Bewegung Schmerzen verursacht, Muskulatur stark verspannt oder gehemmt ist und andere Strukturen ständig kompensieren müssen, halte ich es aus meiner Erfahrung häufig nicht für sinnvoll, einfach noch mehr Belastung daraufzupacken.
Deshalb stelle ich zunächst eine andere Frage:
Was hindert den Körper momentan daran, wieder richtig zu arbeiten?
Warum ich die 20 Minuten anders nutze
In einer Krankengymnastik-Behandlung auf Rezept ist die zur Verfügung stehende Zeit begrenzt.
Bei schmerzhaften Beschwerden nutze ich diese Zeit deshalb häufig zunächst für die Strukturen, die aktuell besonders auffällig sind.
Ich arbeite beispielsweise an Faszien, Triggerpunkten und verspannter Muskulatur und setze, wenn es sinnvoll ist, gezielte Dehnungen ein.
Mein erstes Ziel ist nicht, innerhalb von sechs kurzen Behandlungsterminen möglichst viel Muskulatur aufzubauen.
Ich möchte zunächst Schmerzen reduzieren, überlastete Bereiche entlasten und bessere Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Körper wieder vernünftig arbeiten kann.
Denn aus meiner 20-jährigen Berufserfahrung sehe ich häufig ein anderes Problem als einfach nur „zu wenig Muskulatur“:
Eine veränderte Statik, gehemmte Muskulatur und Strukturen, die dauerhaft mehr Arbeit übernehmen müssen, als eigentlich für sie vorgesehen ist.
Muskelaufbau ist wichtig – aber zum richtigen Zeitpunkt
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ich gegen Muskelaufbau bin.
Im Gegenteil.
Wenn die Voraussetzungen stimmen, halte ich gezieltes Training für einen wichtigen Bestandteil, um langfristig wieder belastbarer zu werden.
Aber dieses Training muss meiner Meinung nach nicht hauptsächlich in sechs kurzen Krankengymnastik-Terminen stattfinden.
Muskelaufbau braucht Regelmäßigkeit.
Und genau die lässt sich viel besser in deinen Alltag integrieren: mit gezielten Übungen zu Hause, mehr Bewegung im täglichen Leben oder – wenn du gerne trainierst – selbstverständlich auch im Fitnessstudio.
Die Therapie kann den Weg dafür vorbereiten.
Den Körper langfristig stärker zu machen, passiert anschließend vor allem außerhalb der Praxis.
Welche Rolle spielen Blockaden und die Statik?
Hier ist mir eine klare Trennung wichtig.
Die Behandlung von Blockaden durch Chiropraktik ist bei mir kein Bestandteil der Krankengymnastik auf Rezept.
Chiropraktik führe ich separat im Rahmen meiner Tätigkeit als Heilpraktiker durch.
Warum ist mir die Statik so wichtig?
Aus meiner Praxiserfahrung können Blockaden die Statik verändern. Dadurch können sich Belastungen verschieben: Manche Muskelgruppen müssen stärker kompensieren, andere arbeiten möglicherweise nicht mehr so effektiv.
Dann kann ein verspannter Muskel zwar genau dort wehtun – er muss aber nicht zwangsläufig das eigentliche Problem sein.
Deshalb interessiert mich nicht nur:
„Wo tut es weh?“
Sondern auch:
„Warum wird genau diese Struktur immer wieder überlastet?“
Warum ich mein 6-Wochen-Konzept entwickelt habe
Genau an diesem Punkt stoße ich mit kurzen Behandlungsterminen an Grenzen.
Bei bestimmten Beschwerden möchte ich mehr Zeit haben und verschiedene Bereiche gezielt miteinander verbinden.
Daraus ist mein 6-Wochen-Konzept entstanden.
In den ersten drei Behandlungen nehme ich mir jeweils 40 Minuten Zeit und kombiniere:
Chiropraktik – Dry Needling – Ohrakupunktur
Anschließend folgen drei weitere Termine mit jeweils 20 Minuten Ohrakupunktur, um die Behandlung weiter zu begleiten und zu festigen.
Hinter dieser Kombination steht für mich ein einfacher Gedanke:
🦴 Skelettsystem
Mit der Chiropraktik behandle ich vorhandene Blockaden und arbeite daran, die Statik wieder in eine bessere Ausgangssituation zu bringen.
💪 Muskulatur
Mit Dry Needling behandle ich gezielt auffällige Muskulatur und Triggerpunkte.
🧠 Nervensystem
Mit der Ohrakupunktur beziehe ich zusätzlich Regulation und Schmerzverarbeitung in die Behandlung ein.
So betrachte ich nicht nur die Stelle, an der es gerade weh tut, sondern unterschiedliche Bereiche, die bei einer Beschwerde zusammenspielen können.
Und was kommt nach den sechs Wochen?
Im besten Fall nicht die nächste Behandlungsserie.
Sondern:
Bewegung. Alltag. Übungen. Training.
Denn mein Ziel ist nicht, dass du dauerhaft zur Behandlung kommen musst.
Wenn Schmerzen und störende Faktoren ausreichend behandelt sind und der Körper wieder bessere Voraussetzungen hat, beginnt für mich der nächste wichtige Schritt:
Jetzt darf er wieder arbeiten.
Dann können Muskulatur, Kraft und Belastbarkeit gezielt aufgebaut werden – zu Hause, im Alltag oder gerne auch im Fitnessstudio.
Mein Fazit nach 20 Jahren Praxis
Muskelaufbau ist wichtig.
Aber aus meiner Erfahrung ist er bei vielen Patienten mit Schmerzen nicht der erste Schritt.
Zunächst möchte ich verstehen, welche Strukturen überlastet sind, wo starke Muskel- und Faszientensionen bestehen und ob Blockaden und eine veränderte Statik eine Rolle spielen.
Genau dafür reichen mir bei bestimmten Beschwerden kurze Termine nicht aus.
Deshalb habe ich mein 6-Wochen-Konzept entwickelt: um mir mehr Zeit zu nehmen und Skelettsystem, Muskulatur und Nervensystem gezielt in die Behandlung einzubeziehen.
Und wenn diese Grundlage geschaffen ist?
Dann kommt das Training.
Denn stärker zu werden ist sinnvoll – aber vorher sollten die Voraussetzungen dafür stimmen.
